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Hunsrücker feierten ein trauriges Waldfest

Mauerbau Leserin aus der Gemeinde Roth schildert ihren 13. August 1961

Roth. Die Nachricht vom Bau der Berliner Mauer verbreitete sich auch in unserer Region wie ein Lauffeuer. Die Menschen reagierten betroffen und ängstlich auf die Nachrichten vom 13. August 1961. Heidi Höning aus Roth schildert, wie einige Menschen am Rande des Hunsrücks den Tag des Mauerbaus erlebt haben. Sie war damals 15 Jahre alt:

„Der 13. August 1961 war ein Sonntag, einer der letzten der Sommerferientage. Eine Nachbargemeinde feierte ihr alljährliches Waldfest. Es war ein trauriges Fest. Die Besucher standen mit besorgten Gesichtern in Gruppen zusammen und diskutierten über die neuesten Nachrichten. Darüber, dass Leute verhaftet und abgeführt wurden, dass die Fenster der angrenzenden Häuser auf DDR-Seite zugemauert wurden, und dass man nur darauf warten konnte, wer von den Truppen, die sich gegenüber standen, den ersten Schuss abgeben würde.

Furcht vor einem dritten Weltkrieg

Die Menschen waren wie erstarrt vor Angst vor einem neuen Krieg. Jüngere Leute tanzten auch und waren der Meinung, dass das vielleicht für lange Zeit die letzte Gelegenheit sei. Fast alle waren überzeugt, dass es in der kommenden Nacht zu Schießereien an der Sektorengrenze kommen würde. Dann würde der Krieg zwischen den Weltmächten in Berlin beginnen. Mit solchen Gedanken war den Besuchern die Lust aufs Feiern vergangen. Ziemlich still tranken sie etwas, aßen eine Wurst und machten sich auf den Weg nach Hause mit dem bangen Gedanken, was die neuesten Nachrichten wohl bringen würden.

Wie wir alle wissen, hielten sich die Amerikaner zurück, und es kam trotz einiger Zwischenfälle nicht zu einem Krieg. Die wütenden Proteste der Westberliner gingen weiter, es gab kleinere Zwischenfälle, aber die große Eskalation blieb aus. Die Angst vor dem Ausbruch eines dritten Weltkrieges wurde während der Kuba-Krise noch gesteigert, denn an der Berliner Mauer standen sich die beiden Weltmächte immer noch direkt gegenüber.

Rede löst Begeisterung aus

Nur vor diesem Hintergrund ist die Begeisterung zu verstehen, die die legendäre Rede des amerikanischen Präsidenten John F. Kennedy auf dem Balkon des Schöneberger Rathauses im Juni 1963 auslöste. Die Aussage des Präsidenten: ,Ick bin ein Berliner,' gab den Menschen das Gefühl, dass sie nicht länger hilflos waren, sondern auf Freunde zählen konnten.“ bed

Oeffentlicher Anzeiger vom Samstag, 13. August 2011, Seite 21

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