Letzte Aktualisierung: Samstag, 19. Juli 2014

AUS DER ORTSGESCHICHTE

von Erhard Tasch (*2.8.1932 14.2.2011), ergänzt von Friedrich Höning



Es wäre vermessen, ,,die" Geschichte der Gemeinde Roth schreiben zu wollen. Dafür ist die Zahl der schriftlichen Zeugnisse und deren Bedeutung zu gering, so wie auch die geschichtliche Rolle, die die Gemeinde spielte, nur gering war. Es ging mir darum, die Geschichte unseres in etwa 305 m Höhe auf einem kleinen Bergrücken liegenden schmucken Dorfes es war immerhin 1973 6. Landessieger im Wettbewerb ,,Unser Dorf soll schöner werden" uns und unseren Nachfahren etwas zu erhellen. Verschüttetes sollte ans Tageslicht gebracht, Erfahrenes weitergereicht werden.

So wie wir alle mehr oder weniger bewußt dankbar auf dem von unseren Vorfahren ,,gerodeten" und beackerten Boden stehen, so beruht auch mein Bericht auf der genauen Beobachtung und der mühevollen Arbeit vieler, denen ich Dank schulde. Besonders erwähnen möchte ich den ehemaligen Mitbürger Martin Sinß, unseren langjährigen Amtsbürger- meister Ludwig Bogerts, meinen Vater, den ehemaligen Mitbürger und Lehrer August Tasch, und auch unseren jungen Neu- und Mitbürger Thomas Hofem.



Im Jahre 1987 feierte die Gemeinde Roth ihren 800. Geburtstag. Der Grund dafür liegt in dem ältesten bisher zugänglichen Dokument, einer Urkunde des Klosters Rupertsberg bei Bingen aus dem Jahre 1187, das den Namen unseres Ortes enthält. Gemäß diesem, im Landesarchiv Koblenz aufbewahrten Pergament befreite der Erzbischof Conrad von Mainz das Kloster und seine Besitzungen von bischöflicher Steuer und stellte sie unter seinen Schutz. Es scheint gesichert, daß es sich bei dem dort aufgeführten ,,Rode" um unsere Gemeinde handelt. Auch wenn diese Urkunde kein Siegel trägt, d.h. nicht rechtskräftig wurde, so ist der dort enthaltene Name unserer Gemeinde Beleg für ihre Existenz im Jahre 1187.

Die in der Urkunde gebrauchte Schreibweise weist noch besser als die heutige auf den Ursprung des Ortes hin, nämlich eine Rodung. Ungewöhnlich ist, daß im Ortsnamen nicht auch der Besitzer erscheint, wie es in der Nachbargemeinde der Fall ist, bei der es sich wahrscheinlich um eine der Stadt Worms gehörende Rodung handelt.

Laut Bach entstanden die -rod-Orte in der Zeit vom 10. bis 14., besonders im 12. und 13. Jahrhundert als Rodungen in Waldgebieten mit über 150 Frosttagen im Jahr und hatten damit eine ungünstigere Lage als die Orte in den waldfreien Gebieten der Urlandschaft. Danach dürfte der Ursprung unserer Gemeinde nicht allzu lange vor dem Jahre 1187 anzusetzen sein.



Roth wurde ursprünglich in der "Urgemarkung" Waldlaubersheim angelegt. Der ,,Viergemeindewald", an dem neben Waldlaubersheim auch die Gemeinden Genheim, Roth, Warmsroth und Wald-Erbach beteiligt waren, erinnert an die Zugehörigkeit zu dieser ,,Großgemarkung" nach 1589.

In seiner ,,Urkundlichen Geschichte" zitiert Pfarrer Wagner aus dem allgemeinen Güterverzeichnis des Klosters Rupertsberg (1200 - 1270), daß Roth am St. Martinstag 11 Unzen und 6 Denare Pacht an das Kloster habe zahlen müssen, ein Betrag, der wohl auf die Geringfügigkeit des Besitzes hindeute.

Die Schöffengerichtsbarkeit in Roth wurde in jenen Tagen für das bei Kirchheimbolandern gelegene Kloster Rodenkirchen durch Hermanus von Genheim ausgeübt. Für die damit verbundenen Einkünfte hatten er und seine Frau Adelheid 20 Denare Zins zu zahlen.

Entsprechend einer in Mainz ausgefüllten Urkunde schenkten 1283 der Ritter Heinrich von Glymendail und seine Frau Christina - anscheinend in Roth sehr begütert - dem Kloster Rupertsberg ,,Fruchtrenten zu Rode" zur Abhaltung ihres Jahresgedächtnisses und noch weitere Güter bei dem Dorf ,,Rod" gegen eine Leibrente von jährlich 20 Malter Korn.

Außer dem Kloster Rupertsberg muß auch ein Herr von Brandenburg zu Klerf im Luxemburgischen bis 1417 ein Hofgut in Roth besessen haben.

Im Jahre 1589 wurden in Roth 10 ,,Hausgesessene" (Haushalte) gezählt. Der Zehnte war aufgeteilt zwischen dem Junker von Schönburg (Oberwesel) (2/3) und dem Kaplan zu Stromberg (1/3). Vor der Reformation gehörte das Drittel des Kaplans dem Kloster Rodenkirchen, Roth selbst zur Pfarrei Waldlaubersheim.



Herr Sinß, der besonders im Hinblick auf das 70-jährige Bestehen des Männergesangvereins im Jahre 1965 der Geschichte unserer Gemeinde nachgegangen ist, erwähnt in seinen Aufzeichnungen eine Urkunde, die von einer dem Hl. Bartholomäus geweihten Kapelle in Roth berichtet. Unsere Chronik von 1877 sagt, daß sie vom Kloster Eibingen ,,versehen" worden sei. Bereits zu Beginn des 16. Jahrhunderts soll diese Kapelle in einem baufälligen Zustand gewesen sein. Sie habe nach der Reformation beiden Konfessionen gedient. Für die geringe Zahl der Einwohner - 11 katholische und 6 evangelische Familien - sei eine Erneuerung nicht zu bewerkstelligen gewesen. Urkunden im Staatsarchiv sollen auf Bemühungen der Gemeinde Ende des 18. Jahrhunderts hinweisen, diese Kapelle wieder aufzubauen; aus kirchlichen Dokumenten lasse sich ein Wiederaufbau aber nicht erkennen. Beide Konfessionen waren schon zu damaliger Zeit in Stromberg ,,eingepfarrt". Diese Kapelle habe sich auf dem alten Kirchhof befunden, und in ihren Ruinen seien von den Katholiken noch viele Jahre am Kirchweihtag dem ersten Sonntag im September, dem Sonntag nach St. Ägidius - Gottesdienste gefeiert worden.
Aus Verzeichnissen des Klosters Rupertsberg ist zu ersehen, daß 1726 das Kloster in Roth 79 Morgen, 1 Viertel und 22 Ruten an Äckern sowie 37 Morgen, 30 Ruten an Wiesen - mit Gärten zusammen 121 Morgen, 2 Viertel und 17 Ruten - besaß.


1785 zahlten dem Kloster folgende Rother Bürger Zinsen:
Johann Scholler, Paul Feyer, Jacob Hartmann, Johann Jung, Blautzens, W. (W. Blautz?), Jacob Diehl, Peter Weber, Johann Blautz und Valentin Feyer. Obstgeld hatten zu entrichten: Schultheis Valentin Feyer, Joan Kraus, Johann Scholler und Johann Backes. Bis 1770 muß es noch üblich gewesen sein, die halbe Obsternte statt des Zinses abzuliefern. Ein ,,Wein-Zapfgeld" mußten Schultheis Feyer, Jacob Diehl und Paul Feyer zahlen.

Sieht man von den Urkunden des Klosters Rupertsberg ab, so scheinen kaum Unterlagen zu existieren, die über unsere Gemeinde etwas Genaueres aussagen. Der Dreißigjährige Krieg ebenso wie die an schließenden französischen Eroberungskriege müssen große Zerstörungen verursacht und viele Dokumente vernichtet haben. Im Tal zwischen Roth und dem Schmittschen Hof, der von der aus den U.S.A. zurückgekehrten ,,Dollartante" 1929 für ihre Neffen erbaut wurde, haben möglicherweise Bauernhöfe gestanden. Es heißt, man sei beim Ausroden von Bäumen in der ,,Hufstadt" auf Mauerreste gestoßen.



Verwaltungsgemäß hat Roth neben Genheim, das durch seine Eingemeindung nach Waldalgesheim aus seinen historischen Bindungen heraus trat, und Eckenroth schon sehr früh zur Stromburg gehört. Diese befand sich bis 1156 in königlichem bzw. kaiserlichem Besitz. In jenem Jahr ging Roth zusammen mit der Stromburg in die Herrschaft der Pfalzgrafen über. So ist es auch verständlich, daß die Stadt Bingen noch im Jahre 1410 den Rothern bei Angriffen in ihren Mauern Schutz bot. Dafür mußten diese zu den Verteidigungsanlagen und der Verteidigung der Stadt ihren Beitrag leisten.

Wurden 1589 in Roth 10 Haushalte gezählt, so waren es 1789 erst 14.
1816 gab es in Roth 106 Einwohner. 1876 lebten hier 193 Personen in
27 Haushalten.

Das Amt Stromberg wurde 1798 durch das französische Kanton abgelöst. Nach der französischen Besetzung und dem Wiener Kongreß 1815 fiel es dann an Preußen und Stromberg war wieder ,,Bürgermeisterei". So konnte der alte Rother Bürger Peter Steyer 11 in den 30er Jahren stolz von seinem Dienst in der preußischen Garde erzählen und nur voller Verachtung auf die ,,blinden" Hessen blicken.

Roth gehörte immer zu den kleinsten Gemeinden dieses Verwaltungsbezirks. Die Chronik sagt sogar, der Ort sei ursprünglich nur ein zur ,,Veste Stromberg" gehöriger Weiler gewesen. Die kleine Gemarkung bestimmte in früherer Zeit Größe und Einwohnerzahl des Ortes. Die Volks zählungen von 1885, 1890 und 1895 ergaben 176, 181 bzw. 194 Einwohner.



Die heutige ,,Ortsgemeinde" Roth gehört seit der Verwaltungsreform in Rheinland-Pfalz im Jahre 1969 zur Verbandsgemeinde Stromberg, so wie sie früher zum ,,Amt" Stromberg gehörte. Durch die Eingemeindung von Genheim nach Waldalgesheim und die Bildung des Kreises Mainz-Bingen liegt Roth heute mit seiner kleinen, 84 ha umfassenden Gemarkung an der Grenze des Regierungsbezirkes Koblenz zum Regierungsbezirk Rhein hessen-Pfalz. Seine weiteren Grenzen bilden die Landstraße 214 und ungefähr die Autobahn 61.

Das älteste in der Gemeinde vorhandene Dokument ist die bereits er wähnte Chronik, die anscheinend 1877 beginnt und sich mit einer Unterbrechung bis 1912 fortsetzt. Es ist anzunehmen, daß sie von den je weiligen Lehrern verfaßt wurde. Das erste Protokoll des Gemeinderates hält die Einführung des am 1. August 1888 gewählten Vorstehers Martin Heinrich am 6. September 1888 fest. Bürgermeister Hoßeus (Stromberg) führte auf Grund der Verfügung des Landrats Agricola den bisherigen stellvertretenden Vorsteher in sein Amt ein. ,,Verordnete" waren Sturm, Piroth, Leinberger, Höning und Kruger. Der Rat setzte sich damals aus den 6 ,,Meistbeerbten" zusammen.

Das wichtigste Thema tauchte bereits im zweiten Sitzungsprotokoll vom 30.1.1889 auf, in dem es der Gemeinderat ablehnte, der ,,Verfügung der Königlichen Regierung zu Coblenz vom 12.1.1872" zu folgen und einen Nachtwächter einzustellen. Die Begründung war, daß die Sicherheit nicht gefährdet sei und die schlechte Finanzlage es der Gemeinde nicht erlaube, die zu veranschlagenden Kosten von 45 Mark im Jahreshaushalt unterzubringen. Dies erscheint verständlich, denn der Gemeindehaushalt belief sich 1888 auf genau 3.539,19 Mark.

Die Bevölkerung lebte fast ausschließlich von der Landwirtschaft. Körnerfrucht- und Obsternte bildeten das regelmäßige, aber von Wetter und Schädlingen abhängige schwankende, geringe Einkommen. Bei längerer Trockenheit mußte Vieh abgeschlachtet und durfte Laub als Streu und Gras als Futter nach entsprechenden Gemeinderatsbeschlüssen im Rother Wald - d.h. jenseits von Warmsroth - besorgt werden. Der Obstanbau scheint keine unwichtige Rolle gespielt zu haben. lm Jahre 1886 - einem ,,guten" Jahr -wurden von den in Roth wohnenden 38 Familien nach eigenen Angaben 3.772 Zentner Kern- und Steinobst geerntet. Dies stellte einen Wert von 18.879 Mark dar und wurde zu über 80 % verkauft. Der Chronist meinte, daß diese Zahlen nicht zu hoch gegriffen seien, ,,da die Bewohner in der Annahme, die Aufnahme könne zu Steuerzwecken genutzt werden, eher weniger als mehr angegeben haben". Jahre ohne Obst ließen die Einkommen merklich sinken.



Heute genügt ein Blick in die Gemarkung, um zu sehen, daß das Obst keine Rolle mehr spielt. Der starke Baumbestand ist in der Zeit nach dem 2. Weltkrieg den Landmaschinen zum Opfer gefallen. Daß 18 Mitglieder des 1912 gegründeten ,,Obst- und Gartenbauvereins Roth" nicht weniger als 27 Apfelsorten eine Woche lang im Saal der Wirtschaft Kasper (Inhaber Adam Kasper) ausstellten und die Schulen der Umgebung diese Ausstellung besuchten, das ist heute nicht mehr vorstellbar. Nur durch hohe Zuschläge auf die Steuern konnte der Gemeindehaushalt mehr schlecht als recht ausgeglichen werden. Die Pachterträge aus dem Gemeindeland (1877 waren es 328 Mark) waren niedrig, und die Lohpreise sanken konstant; dadurch erlitt Roth, das nur Schälwaldungen besaß, erhebliche Einbußen.

Ein Lichtblick war für den Chronisten im Jahre 1896 die Tatsache, daß die jüngere Bevölkerung in den Gruben von Waldalgesheim und Weiler arbeitete. und daß dadurch ein ,,schöner Verdienst" in den Ort kam. Damals hat anscheinend schon unmerklich die Entwicklung des landwirtschaftlichen ,,Nebenerwerbsbetriebs" eingesetzt und seine positiven wirtschaftlichen Auswirkungen gezeigt.



Der Fortschritt machte vor der Gemeinde nicht Halt. Im Juli 1904 beschloß der Gemeinderat nach einer Verfügung des Kreisausschusses, den Weg zur ,,Trarbach-Bingener" Provinzialstraße auszubauen. Von den Kosten in Höhe von 1630 Mark trug die Gemeinde 630 Mark, die in Form von ,,Frohnde-Arbeiten" aufgebracht wurden. Nach dem Ausbau ging 1906 die Straße in den Besitz des Kreises über.

1907 gestattete der Gemeinderat dem Kreiswasserwerk, die Wasserleitung in den Gemeindewegen zu verlegen. Und 1910 endete die nicht ganz unproblematische, durch zwei Brunnen mit Pumpen sichergestellte Wasserversorgung des Ortes. Der alte, vor dem Gemeindehaus befindliche Brunnen war 1893 durch einen weiteren, allerdings nicht sehr ergiebigen, 18 m tiefen Brunnen in der Nähe des Schulneubaus ergänzt worden. Nur nach Ende des zweiten Weltkrieges - als die zentrale Wasserversorgung vorübergehend zusammengebrochen war - dienten sie wieder zusammen mit dem im Hause Ney befindlichen Brunnen der Bevölkerung.

1908 wurde beschlossen, den Ort an das Fernsprechnetz anzuschließen und den ersten Anschluß in der Wohnung des Vorstehers zu installieren.

Nachdem man es 1921 wegen der hohen Kosten noch abgelehnt hatte, eine elektrische Straßenbeleuchtung anzubringen, und statt dessen die alten Petroleumlampen wieder instandgesetzt hatte, wurde 1927 der Auftrag für eine elektrische Straßenbeleuchtung für 611,90 Mark vergeben, und bei der Abnahme brannten die Lampen - bis auf die am Geißhübel.

Spricht man über die erste Hälfte dieses Jahrhunderts, kann man die beiden Weltkriege nicht übergehen. Im ersten Weltkrieg haben 5 junge Rother, im Zweiten Weltkrieg 12 ihr Leben gelassen. Wenn man von den sonstigen Leiden, die diese Kriege verursachten, absieht, so ist die Gemeinde relativ unbeschadet davongekommen.



Nur der Zweite Weltkrieg hinterließ im Dorf selbst leichte Spuren. Am 16.1.1945 ließen die bei einem mittäglichen Jagdbomberangriff auf die Eisenbahnlinie Stromberg - Schweppenhausen zu früh ausgeklinkten, 70 m von der Schule einschlagenden Luftminen und Phosphorbomben etwa 30 Scheiben in der Schule bersten und beschädigten Dach und Fenster im Hause Reths. Es wurde dunkel in den Häusern, denn Pappe mußte vorerst Glas ersetzen.

An die zuerst nur nächtlichen, später auch täglichen Bombenangriffe hatte man sich gewohnt. Durch die christbaumähnlichen Bombenabwurfssignale und den rotglühenden Horizont ließ sich erkennen, wo Frankfurt bzw. Mainz oder Koblenz lagen. Gelegentlich verirrten sich einige Bomben in die Gemarkung, so in die ,,Betzheck" und in die Nähe von ,,Sonnets Scheune", einem Gebäude, in dem früher Backsteine gebrannt wurden und das dort stand, wo sich heute die Autobahnzufahrt befindet.



Am Sonntag, dem 18. März 1945, rollte die amerikanische Panzerkolonne auf der damaligen Reichsstraße 50 von Stromberg kommend bis zur Abzweigung Roth vor und drehte die Kanonentürme auf den Ort. Für das in verschiedenen Scheunen einquartierte Gefangenenlager - es waren auch drei an der Mosel erst gefangengenommene und SS-Einsatzkommandos fürchtende Amerikaner darunter - war die Rheinreise zu Ende. Die Bewacher brauchten ihr Versprechen, das sie unter Zuhilfenahme meiner Mutter als Dolmetscherin bei ihrem Verhör im Schulhaus gemacht hatten, nämlich die Amerikaner vor der SS zu verstecken, nicht zu halten. Andererseits rettete das Versprechen der Amerikaner, sich ihrerseits später für die Wachleute einzusetzen, diejenigen nicht vor der Gefangenschaft, die das Eintreffen der amerikanischen Truppen abwarteten. Eine mit weißer Fahne ausgestattete Delegation des Gefangenenlagers begab sich mit dem in Essen ausgebombten dann in Roth untergekommenen Baurat Wilhelm Claas, der auch etwas Englisch sprach, zur Straße und übergab Lager und Gemeinde. Damit war der eigentliche Krieg für Roth vorüber. Der seit 1916 amtierende Vorsteher Peter Steyer I konnte - eine seltene Ausnahme damals - seine Amtsgeschäfte weiterfuhren.

Erst die Nachkriegszeit mit dem ,,Wirtschaftswunder" und der Technisierung der Landwirtschaft sollte für die Gemeinde wichtige Ver änderungen bringen. Schon während des Krieges hatten eine Anzahl Rother Jugendlicher weiterführende Schulen in Bingen besucht - der erste Abiturient war Josef Steyer, Sohn des Bergmanns Peter Steyer III. Immer mehr Einwohner suchten ihren Broterwerb außerhalb der Landwirtschaft.

War im Jahre 1950 die Zahl der Vollerwerbsbetriebe in der Landwirtschaft schon auf 12 gesunken, so bleiben im Jahre 1987 nur noch zwei Vollerwerbsbetriebe übrig: Albrecht Ney und Rudi Sturm. Letzterer betätigt sich hauptsächlich als Winzer; seine Weinberge befinden sich ausschließlich in Gemarkungen anderer Gemeinden. Auch Herr Ney bearbeitet nur 10 % der von ihm beackerten 100 ha innerhalb der Rother Gemarkung.



Die im Krieg wichtige Erzgrube in Waldalgesheim ist seit 1971 stillgelegt; auch das als Arbeitsplatz früher wichtige Stromberger Kalk- werk hat für die Rother Einwohner keine Bedeutung mehr. 1980 pendelten 38,9 % der Erwerbstätigen nach Bingen aus, 13,2 % nach Mainz, 11 % nach Stromberg, 9,7 % nach Rümmelsheim (Pieroth), 6,6 % nach Rheinböllen (Tewes), 5,6 % nach Bad Kreuznach, der Rest nach anderen Orten. Umgekehrt pendeln heute auch 27 Erwerbstätige in die Gemeinde ein, wo sie bei zwei Gewerbebetrieben eine Anstellung gefunden haben.

In diesem Zusammenhang zeigt die als Bundesstraße 400 geplante und als Autobahn 14 gebaute Fernstraße - die heutige A 61 -, die für Roth viel Lärm und Abgase bedeutet, ihre positive Seite. Roth ist damit heute verkehrsmäßig gut erschlossen. Für die Fahrt nach Bingen stellt weiterhin die frühere Bundesstraße 50, die heutige Landesstraße 214, die wichtigste Verkehrsverbindung dar. Nach langen und intensiven Bemühungen der Gemeinde wurde Roth am 1.5.1970 der Omnibuslinie Stromberg - Bingen angeschlossen. Ferner ist zu erwähnen, dass in den Jahren 1953 bis 1978 sich eine Poststelle in Roth befand. Sie war in dem Hause Josef Sonnet, gegenüber der Gastwirtschaft Kasper/Orben, angesiedelt.

Das Gasthaus zur Alten Linde, wie schon erwähnt im Besitz der Familie Kasper und Orben, wurde im Jahr 1991 voraussichtlich für immer geschlossen. Damit verschwand der gesellschaftliche Treffpunkt der Gemeinde. Erfreulicherweise hat Familie Reinhold Sturm am 8. August 2003 in der Trift eine Straußwirtschaft eröffnet. Sie bietet wieder einen Treffpunkt für die Rother Bevölkerung. Leider ist sie nicht das ganze Jahr geöffnet, sondern nur etwa 6 bis 7 Monate im Jahr.

Nachdem der Kreis 1956 den von ihm ausgebauten Verbindungsweg zur B 50 bis in die Ortsmitte verlängert hatte, begann die Gemeinde ihre Ortsstraße Zug um Zug auszubauen. 1963 bereits wurde für etwa 54 000 DM eine mechanische Kläranlage gebaut, die heute noch als Regenrückhaltebecken dient.

Da die Baumöglichkeiten in der Gemeinde sehr beschränkt waren, beschloß der Gemeinderat schon 1965 die Aufstellung des Bebauungsplans ,,Im Hoppenacker" - ,,An dem Stemel". Die jüngere Bevölkerung sollte nicht gezwungen sein, anderswo zu bauen. Nachdem 1967 die Ortsstraßen erneuert worden waren, konnten in den Folgejahren die Erschließung und die Bebauung ,,Am Stemel" durchgeführt werden. Schon 1971 setzten Überlegungen ein, das weiter vorhandene lnteresse an Bauplätzen zu befriedigen. So wurde in den folgenden Jahren das Baugebiet ,,In der Nonnenwies" erschlossen (der frühere Kuhweg, der anscheinend bis 1889, als die Gemeinde den Viehaustrieb abschaffte, von den Rother Kühen benutzt wurde). Diese Neubaugebiete zogen wohl wegen der günstigen Baulandpreise und ihrer Lage auch manchen Auswärtigen an. Die über viele Jahre in etwa konstant zwischen 160 und 180 pendelnde Ein wohnerzahl hat sich daher bis 1987 auf 286 erhöht.



Aus allen alten Akten spricht die Finanznot der Gemeinde. Noch 1955 meinte Amtsbürgermeister Bogerts, Roth werde wegen seiner chronischen Vermögens- und Steuerarmut immer ein Sorgenkind bleiben. Die Gemeindehaushalte schlossen oft mit einem Defizit ab. Der Wald kostete der Gemeinde in den Jahren 19S5 bis 1971 etwa DM 26 500; seitdem hat sie weitere DM 61 000 für ihn ausgegeben. 1987 kommen noch DM 12 000 hinzu. Durch den Verkauf von Gemeindegrundstücken für den Bau der linksrheinischen Autobahn 1963 kam die Gemeinde ,,endlich einmal zu Geld" (Bogerts). Er brachte DM 93 000 ein. Dies scheint ein Wendepunkt in der wirtschaftlichen Entwicklung der Gemeinde gewesen zu sein. Größere Einwohnerzahl und geänderte Einkommensverhältnisse haben die Wirtschaftskraft der Gemeinde wesentlich gebessert. 1986 waren im Haushaltsplan der Gemeinde für Steuern von landwirtschaftlich genutzten Flächen DM 2 100, von Wohngebäuden DM 10 100, für Gewerbesteuer DM 39 500 und als wichtigster Teil der Gemeindeanteil an der Ein kommensteuer in Höhe von DM 96 740 angesetzt. Der ausgeglichene Haus halt hat vieles von dem, was in der Gemeinde in den letzten Jahren geplant und durchgeführt wurde, erst möglich gemacht.

Leider hat sich die finanzielle Situation der Gemeinde nach dem vorgenommenen Umbau der der alten Schule in ein Dorfgemeinschaftshaus dramatisch verschlechtert. Der Haushalt der Gemeinde in den Jahren um die Jahrtausendwende konnte in keinem Falle befriedigen. Es ist gekennzeichnet von Defiziten und finanziellen Problemen. Der Gemeinderat unter dem Ortsbürgermeister Helmut Höning sieht die Lösung der Probleme in der Erhöhung der Einwohnerzahl der Gemeinde. Dies ist nur möglich durch die Erschließung eines weiteren Baugebietes. Dieses Vorhaben stand auf Grund der finanziellen Situation der Gemeinde unter keinem guten Stern. Trotz vieler erheblicher Schwierigkeiten konnte ein gültiger Bebauungsplan erstellt werden. Die Grundstückseigentümer erhalten vorab einen Grundpreis für den Grund und Boden der ins Baugebiet fällt. Die Gemeinde übernimmt die Erschließung und den Verkauf der Grundstücke. Die erschlossenen Grundstücke werde derzeit für 99,50 Euro pro qm angeboten (Jahr 2006). Nach dem Verkauf der 18 Bauplätze und der Fertigstellung der Erschließungsmaßnahmen wird dann abgerechnet und der Mehrerlös an die ehemaligen Grundstückseigentümer ausgekehrt. (Der Chronist wird zu gegebener Zeit ergänzende Informationen einstellen).


Am 9. Juli 2006 verstarb die älteste Einwohnerin von Roth im 103. Lebensjahr. Frau Eva Hoch geb. Steyer (Schwester des Bürgermeisters Johann Steyer) wurde am 25. Januar 1904 geboren und war verheiratet mit Hans Hoch., den sie 35 Jahre überlebte. Aus dieser Ehe gingen 2 Söhne und eine Tochter hervor. Es gibt kein Zeugnis, dass je eine Person in Roth dieses hohe Alter erreicht hat.

Im Jahr 2009 wurde das alte Backes und ehemalige Gemeindehaus in der Dorfmitte von Grund auf renoviert. Es wurde eine Heizung eingebaut, die Backstube auf den neuesten Stand der Technik gebracht und im Obergeschoss ein Bürgermeisterzimmer sowie ein Beratungszimmer eingerichtet. Hier kann man schon mal die Außenansicht nach der Fertigstellung der Maßnahme anschauen:

Backesnord Backessüdwest

Am Samstag, dem 24.4.2010 erfolgte die offizielle Übergabe nach der Renovierung des ehemaligen Schulgebäudes. Zur Finanzierung ist folgendes zu sagen: 60 Prozent Zuschuss erhält Roth für die insgesamt rund 110 000 Euro teure Renovierung des alten Gemeindehauses,

Ein Glockenturm war im Jahr 1935 angebaut worden. Die Glocke kündet die Zeit um 7,12 und 18 Uhr und läutet bei Todesfällen, bis 1993 auch bei Beerdigungen. Die Heizung wurde durch eine Wärmepumpe ersetzt, die Treppe feuerfest saniert und der alte Schulsaal in ein Bürgermeisterzimmer und einen größeren Raum für Tagungen umgebaut. Das Gebäude erhielt eine Außenisolierung und wurde gestrichen, zuvor alle Fenster und Türen erneuert und das Dach neu verschiefert.

Das Gemeindehaus wurde an diesem Samstag um 11 Uhr unter Begleitung der Chorgemeinschaft Roth/Seibersbach und einer Bilderausstellung eingeweiht. Dazu werden im alten Steinofen gebackene Spezialitäten gereicht. Ausstellung und Backes können bis 15 Uhr besichtigt werden. Ab 20 Uhr wird in der neuen "Alt Schul" eine Bildershow "Roth im 20. Jahrhundert" gezeigt.

An der Stirnwand des sanierten Gemeindehauses hat Raimund Mehlig, umrahmt von einer von seinem Sohn Hans-Werner hergestellten schmiedeeisernen Verzierung, den Spruch "Gott ward Mensch, Mensch bleib Mensch; die Zeit verrinnt, der Tod gewinnt." angebracht.


Wie schon vorher erwähnt ist die finanzielle Seite der Gemeinde Roth sehr bescheiden. Im Dezember 2013 ist die Gemeinde dem Kommunalen Entschuldungsfonds Rheinland-Pfalz (KEF-RP) beigetreten. Der Konsolidierungsvertrag kann hier eingesehen werden.


Schule und Kultur



Nach der vorliegenden Ortschronik beschloß der Gemeinderat bereits 1880 den Bau eines neuen Schulhauses. In den Folgejahren muß sich dessen Finanzierung als unmöglich herausgestellt haben. Die Kinder hatten weiterhin die im Gemeindehaus sehr schlecht untergebrachte Schule zu besuchen, in der der katholische Lehrer von Genheim Unterricht hielt. 1884 gab es Probleme mit dem Lehrer Auerbach. Er war ,,plötzlich flüchtig geworden". Der Schweppenhäuser Lehrer Weppler mußte ihn in Roth vertreten. Die evangelischen Kinder gingen wohl in Stromberg zur Schule. Die ,,königliche Regierung" scheint die Rother Schulverhältnisse langsam unzumutbar gefunden zu haben. Deshalb wollte sie 1885 einen Schulverband Genheim - Roth gründen und sowohl die katholischen als auch die evangelischen Rother Kinder in Genheim ein schulen. Doch die Gemeinde kämpfte um ihre Schule. Eingaben und das Versprechen, für eine ordentliche Unterbringung der Schüler zu sorgen, hatten eine Weile Erfolg.

Doch die Verfügung vom 7.1.1887 versetzte schließlich die Rother ,,in die größte Aufregung": die katholischen Kinder wurden in die katholische Schule Genheim überführt. Die Gemeinde hatte jährlich 300 Mark von den Schulkosten zu tragen und ,,für den Brand 300 Wellen frei und klein- gemacht" zu stellen. Die Gemeinde fand diesen Betrag wegen der dem Nachbarort überwiesenen staatlichen ,,Schuldotation" ungerecht. Diese 300 Mark belasteten jetzt den knappen Gemeindehaushalt, da seit 1888 das Schulgeld von 45 Mark von den katholischen Einwohnern nicht mehr erhoben werden durfte. Ein langwieriger Rechtsstreit begann mit der Nachbargemeinde. Auch der königliche Landrat Agricola konnte ihn nicht beilegen.



Wohl auf Grund dieser Umstände erklärte sich der Gemeinderat mit Vorsteher Martin Heinrich und den Verordneten Partenheimer, Höning, Leinberger, Kruger, Piroth 1 und Sturm am 30.10.1891 bereit, zumal bei den jetzt in Aussicht gestellten Beihilfen, den Bau eines ,,katholischen Schulhauses" in Roth vorzusehen. Die Pläne für den Umbau des Gemeindehauses waren mangels einer annehmbaren Unterbringungsmöglichkeit des Lehrers abgelehnt worden. (Erst 1938 wurde das baufällige ,,Backes" abgerissen und einschließlich des Backofens neu gebaut.) Für 1 084 Mark erwarb die Gemeinde auf dem ,,Geißhübel" das notwendige Gelände.

Der Kostenvoranschlag des Rother Maurers Eßner II wurde angenommen. Nach der Chronik haben die Baukosten 17 000 Mark betragen, eine Summe, zu der die Gemeinde selbst nur etwa 1 500 Mark beisteuern mußte. Es war wohl kostengünstig gewesen, die Backsteine unter Verwendung des ausgehobenen Bodens an Ort und Stelle zu brennen. Trotzdem erwies sich die Finanzierung als nicht einfach, denn 1893 machten nicht rechtzeitig eintreffende Zuschüsse die Aufnahme einer 4%igen Anleihe bei der Gemeinde Schöneberg notwendig.

Nach der Fertigstellung des Baus wurde der katholische Lehrer von Genheim nach Roth versetzt, und jetzt mußten die wenigen - katholischen Genheimer Kinder den Weg zur Schule in Roth machen. (Diese Tradition wurde übrigens nach den Jahren des Dritten Reiches wieder aufgenommen, als es in Roth zur Errichtung einer katholischen Bekenntnisschule kam.) Die in Roth wohnenden evangelischen Kinder besuchten anscheinend von nun an auch die neue Rother Schule.


Im Jahre 1966 zerstörte ein Brand (vermutlich Brandstiftung) Schulsaal und andere Gebäudeteile; ein nicht wieder gutzumachender Schaden war der Verlust der von den Lehrern fortgeschriebenen Schul- bzw. Ortschronik. Die unverzügliche Wiederherstellung des Gebäudes und die Anschaffung neuer Schulmöbel konnten dennoch nicht den Lauf der Schulpolitik bremsen. Die einklassigen Schulen waren bereits zum Tode verurteilt. Nach Versetzung des letzten Rother Lehrers Deptowicz wurde der Unterricht nur noch vertretungsweise gehalten. Eingaben der Eltern und des Gemeinderates blieben erfolglos. Vergeblich war auch die Eingabe gegen die Verfügung, die Schule zum 1.8.1967 aufzulösen und die Kinder entweder der katholischen Bekenntnisschule Waldalgesheim oder der zum 1.2.1966 eingerichteten christlichen Simultanschule Stromberg zuzuführen. Somit schloß die im Herbst 1894 eingeweihte Schule zu Roth am 31. Juli 1967 ihre Pforten. Die Rother Kinder wurden in Stromberg eingeschult. Die Benutzung des Schulbusses, um dorthin zu gelangen, erschien der Gemeinde nur als schwacher Trost für den Verlust der Schule.

Seit 1972 hat sich jedoch das Bildungsangebot für die Rother Kinder verbessert. Seitdem besuchen die 3- bis 5-jährigen den in der Träger schaft der katholischen Kirche stehenden Kindergarten in Stromberg. Mußten anfangs die Eltern für den Transport selbst sorgen, so gelang es später, die Kinder kostenlos entsprechend dem Landesgesetz mit dem Bus zu befördern. Die Gemeinde trägt aber die anteiligen Kosten, die sich in den letzten Jahren pro Kind jährlich auf etwa DM 600 beliefen.



Der Männergesangverein ,,Sangeslust" Roth, von dem ersten in Roth wohnenden Rother Lehrer Huth gegründet, besteht schon seit 1895. Seine gesanglichen und gemeinschaftsfördernden Aktivitäten bilden weiter ein wichtiges Element im Leben der Gemeinde, ob es sich um Feiern, Jubiläen oder Beerdigungen handelt. Nachdem die Autobahn in Form einer Brücke einen sicheren Regenschutz bietet, wurde aus dem Waldfest des Vereins ein allseits beliebtes ,,Brückenfest".
Seit 1983 besteht in der Gemeinde ein Frauenklub, der jüngere Frauen wöchentlich im Gemeindehaus zusammenführt und seine Aktivitäten auch in der Ausrichtung der Rother Kirmes entfaltet. Anlässlich der 800-Jahr-Feier der Gemeinde Roth im Jahre 1987 wurde eine Koch- und Backbuch aufgelegt mit Spezialitäten aus der Region. Leider hat sich der Frauenclub im Jahr 1889 aufgelöst.

Vom Gemeinderat wurde im Jahre 1982 das renovierte ,,Backes" mit einem zünftigen ,,Backesfest" eingeweiht. Seitdem vereinigt dieses Fest Anfang Oktober die Einheimischen und Kenner der umgebenden Gemeinden bei Federweißem und Pellkartoffeln mit Leberwurst. Das ,,Backes" liefert dazu frisches Brot, Quetschenkuchen und ,,Backeskrumbere" nach alter Art.

Das letzte  Backesfest in dieser Form wurde von dem Freundschaftskreis Roth - St. Nicolas les Citeaux im Jahre 2009 ausgerichtet. Seit dieser Zeit wird das Backes einmal im Jahr auf Initiative des Freundschaftskreises zum Brotbacken von einigen Rother Frauen genutzt. Auf Youtube wurde von Friedrich Höning ein Video, welches diese Tätigkeit dokumentiert, hinterlegt und kann hier angesehen werden.



 
 

Der Rother Friedhof



Wie früher üblich, so befand sich auch der Rother Friedhof innerhalb des Ortes und zwar gegenüber dem Gemeindehaus ,,Am alten Kirchhof". Bis 1890 wurden dort die Verstorbenen ohne Ansehen der Religionszugehörigkeit beigesetzt. Wegen des verwahrlosten Zustands der Gräber, der baufälligen etwa 2,50 m hohen Umfassungsmauern und des zerfallenen Tores beschloß 1965 der Gemeinderat, diesen Friedhof einzuziehen. Das auf dem angelegten Rasenplatz aufgestellte Holzkreuz sollte eine Erinnerung an die Geschichte dieses Platzes sein. Es wurde vom Mainzer Bildhauer Peter Krämer zum Preis von DM 1 250 erworben.

Das schon sehr alte Corpus von dem an der Friedhofsmauer befindlichen Kreuz fand, nachdem Ratsmitglied Heinrich Reths es fachmännisch von viel alter Farbe gesäubert hatte, in der später errichteten Leichenhalle einen würdigen Platz.

Die Anlage des ,,neuen Friedhofs war im Jahre 1889 beschlossen worden, weil der alte mitten im Dorf lag und keinen Platz für weitere Gräber mehr bot. Trotz Freigabe des vorgesehenen Ortes durch den ,,Kreisphysikus" zog sich seine Einrichtung lange hin und brachte viel Unruhe in die sonst anscheinend recht friedliche Gemeinde. Der knappe Beschluß des Gemeinderates vom 13.5.1890 (4 gegen 4, wobei der vorsitzende Bürgermeister Hoßeus den Ausschlag gab), wieder einen konfessionell ungeteilten Friedhof anzulegen, wurde nach Einspruch seitens der drei anderen anscheinend nicht schriftlich zu der verschobenen Sitzung eingeladenen Ratsmitglieder durch Verfügung des Regierungspräsidenten aufgehoben. Der angeforderte neue Beschluß (7 : 4) bestimmte, wohl auf Grund von Bedenken des katholischen Kirchenvorstandes, daß eine konfessionelle Trennung durch Wege zu erfolgen habe ,,nach dem ungefähren Seelenverhältnis der Bürger 3/4 für die Katholiken und 1/4 für die Evangelischen"; etwa 10 Plätze seien für Andersgläubige zu reservieren. Die Eingabe des protestantischen Presbyteriums an den ,,Minister des Innern und geistlicher etc. Angelegen heiten" gegen diesen Beschluß hatte Erfolg. Anfang 1892 untersagte der Minister die konfessionelle Teilung des Friedhofs. Der katholische Teil der Bevölkerung war darüber sehr erregt, vor allem deshalb, weil der katholische Geistliche die Weihe des neuen Friedhofs nicht vornahm, die Leichen nur am Sterbehaus segnete, die Begleitung zum Grabe aber ablehnte. Eine Eingabe der Gemeinde an das Abgeordnetenhaus gegen diesen Ministererlaß ,,kam nicht zur Erledigung, da vorher der Schluß der Kammersession eintrat".



Es ist anzunehmen, daß sich zu Beginn dieses Jahrhunderts die Einstellung der katholischen Geistlichkeit änderte und der Pastor den Sarg wieder zum Grab geleitete. Bei Beerdigungen versammelte sich die Trauergemeinde am Trauerhaus, in dem die Leiche bis zu jenem Tag aufgebahrt lag, und folgte dem von 6 Männern getragenen Sarg und dem Geistlichen zum Friedhof. Das Grab wurde von Vertretern von jeweils vier Familien - der Reihe nach - in Nachbarschaftshilfe ausgehoben. Erst seit 1970 wurden die Gräber im Lohnverfahren hergestellt, nach dem es zu Schwierigkeiten bei der freiwilligen Nachbarschaftshilfe gekommen war.

Am 24.11.1968 - dem Totensonntag - wurde die nach dem Entwurf des jungen Binger Architekten Immo Fay errichtete Leichenhalle (Kosten etwa DM 12 500) feierlich eingeweiht. Herr Fay und der Berichterstatter hatten bei dem Bauunternehmer Wilbert, Stromberg, die Glasfenster selbst entworfen und hergestellt. Später wurde noch durch den Künstler Oberstudienrat Annweiler, Stromberg, die innen angebrachte Holzinschrift geschaffen und die schmiedeeiserne Verzierung die über dem Eingang angebracht ist, entworfen. Letztere wurde von Bürger meister Mehlig angefertigt.


Anläßlich des Baus der Leichenhalle war der Friedhof in Richtung des Dorfes um die notwendige Fläche vergrößert worden. 1971 wurde die Neugestaltung des Friedhofs und seine Neubepflanzung in Angriff genommen. Die umgebende Hecke und die altersschwachen Fichten wurden entfernt. Ein neuer Zaun und die Bepflanzung mit einheimischen Gehölzen kosteten etwa 23 000 DM. 1973 beschloß der Gemeinderat, den Weg im Friedhof mit Verbundsteinpflaster anzulegen. Das inmitten des Friedhofs vor handene Kriegerdenkmal mit Kreuz wurde entfernt, ein neues in Bruchsteinmauerwerk errichtet. Der Gemeinderat brachte die Namen der Rother Gefallenen der beiden Weltkriege auf einer dort befestigten Tafel an, und nach dem Plan von Architekt Fay wurde ein Kreuz aus Eisenträgern und Rundeisen von Ortsbürgermeister Friedel Mehlig und den Mitbürgern Hans-Werner Mehlig und Martin Sturm zusammengeschweißt.


Errichtung einer Urnenwand

Dem allgemeinen Trend der Feuerbestattung folgend wurde in der Gemeinde Roth im Jahre 2003 eine diesbezügliche Umfrage gestartet. Nach positiver Resonanz wurde das Architektenbüro Jakobs und Brosius beauftragt, einen Bauplan mit entsprechender Kostenermittlung zu erstellen. Die ermittelten Kosten für eine, der Ortsgemeinde Roth entsprechenden Urnenwand, beliefen sich auf ca. 18.000,00 Euro. Hinsichtlich der angespannten finanziellen Lage der Gemeinde wurde das Projekt zurückgestellt. Im Februar 2004 wurde im Gemeinderat der Beschluss gefasst, die Urnenwand grundsätzlich zu errichten. Die Bürger sollten darüber informiert und gleichzeitig um Spenden gebeten werden.

Der am 30.08.2004 neu gegründete Verein mit dem Namen " Heimat- und Dorfverschönerungsverein Roth e.V. engagierte sich außerordentlich um die Urnenwand zu realisieren.

Mit der Durchführung verschiedener Feste wie z.B. Kirmes, Weihnachtsmarkt, Bürgerfrühstück usw. wurde die entsprechende finanzielle Mittel beschafft . Dank des unermüdlichen Arbeitseinsatzes einiger Vereinsmitglieder und einigen großzügigen Spenden von Mitgliedern und den ortsansässigen Unternehmen ist es gelungen in Eigenleistung das Projekt zu vollenden. So konnte am 01. November 2007 die feierliche Einweihung vorgenommen werden.

Der Heimat- und Dorfverschönerungsverein hat in den 3 Jahren seines Bestehens mit ca. 10.000,00 Euro an Spendengeldern zur Finanzierung beigetragen.

Auch die Glocke wurde bei dieser Gelegenheit von ihrem bisherigen, etwas versteckt gelegenen Platz, auf einen gut sichtbaren Platz an der Urnenwand umgesetzt.



 
 

Literatur

Urkunden des Klosters Rupertsberg, Landesarchiv
Adolf Bach: Deutsche Namenkunde, Bd. II, 2
J. Wagner: Urkundliche Geschichte der Ortschaften, Klöster und
Burgen des Kreises Kreuznach bis zum Jahre 1300,
Kreuznach, 1909
W. Fabricius: Erläuterungen zum geschichtlichen Atlas der Rheinprovinz
Robert Schmitt: Stromberg - die Stadt am Soonwald, 1971
Werner Vogt: ,,Die Verbandsgemeinde Stromberg" im Naheland-Kalender 1976
Thomas Hof em: Berufs- und Erwerbsstruktur von Roth und ihre Aus wirkungen auf die Gemeinde (Facharbeit 1979/80 am Stefan-George-Gymnasium, Bingen)
Aufzeichnungen von Martin Sinß, Roth
Tagebuchaufzeichnungen von August Tasch, Roth
Chronik der Verbandsgemeinde Stromberg 1955 - 1971 von Amtsbürgermeister Ludwig Bogerts
Chronik der Gemeinde Roth von 1877 bis 1912
Beschlußbücher der Gemeinde Roth vom 6.9.1888 - 18.6.1928 vom 14.7.1958 - 16.2.1973 vom 26.3.1973 - heute



 
 

Gemeinde Roth

Schultheiß-Vorsteher-Bürgermeister-Ortsbürgermeister

1785 Valentin Feyer
1886 - 1887 Martin Partenheimer (Wiederwahl)
1887 - 1888 Peter Piroth (verstorben 1888 nach einem Unfall)
1888 - 1892 Martin Heinrich
1892 - 1898 Martin Partenheimer (Großvater mütterlicherseits von Martin Sinß)
1898 - 1904 Johann Eßner
1904 - 1916 Adam Sturm
1916 - 1946 Peter Steyer 1
1946 - 1952 Adam Sturm (Großvater von Reinhold Sturm)
1952 - 1964 Johann Steyer (Sohn von Peter Steyer I)
1964 - 1999 Friedel Mehlig
1999 - heute Helmut Höning

Ratsmitglieder

2004 - 2009
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2014 - 2019